Historische Bauwerke in Hofheim am Taunus (36)
Vom Torii, dem japanischen Torbogen
am Platz am Untertor
Platz am Untertor
Die Kirschbäume am Untertor gibt es schon wesentlich länger als den japanischen Torbogen. In einem Artikel in der Frankfurter Neuen Presse vom 08.12.2018 heißt es dazu: „Erst die japanischen Zierkirschen auf dem Platz am Untertor läuten mit ihren prächtigen Blüten den Frühling in der Kreisstadt richtig ein. Dass die Hofheimer und ihre Gäste den Anblick seit rund 30 Jahren genießen können, haben sie dem früheren städtischen Gartenamtsleiter Bernardus te Molder zu verdanken. Der Pensionär erinnerte sich … an die 1980er Jahre, als er vorschlug, auf dem neu gestalteten Neumann‘schen Gelände Kirschbäume zu pflanzen, denn schließlich liege die Kirschgartenstraße in unmittelbarer Nachbarschaft …“
Es sei ergänzt, dass der zeitliche Anlass für die Verschönerung des Platzes der Hessentag war, der im Jahr 1988 in Hofheim abgehalten wurde. So kam es dazu, dass in den Jahren 1986/87 auf dem Platz am Untertor mehrere Reihen der berühmten Tokio-Kirschen (Prunus x yedoensis) gepflanzt wurden, die inzwischen jedes Jahr den Patz am Untertor in ein Blütenmeer verwandeln.
Dieser Ort ist nicht der einzige geblieben, ab dem in Hofheim Kirschblüten im Frühling erfreuen. Im Park an der Straße „Am Ehrenmal“ gibt es seit 1996 eine Zierkirschenallee, weitere Bäume kann man in der Hauptstraße in der Nähe der katholischen Kirche entdecken sowie auch in der Kirschgartenstraße.
Der Hofheimer Gewerbeverein IHH (Industrie, Handel, Handwerk) hat inzwischen zum Thema „Kirschblüte in Hofheim“ einen Flyer geschaffen, der Hofheimer und Gäste ausführlich zu diesem Thema informiert.
Erst viel später als die Kirschbäume, nämlich im Jahr 2007, entstand dann der japanische Torbogen, Torii genannt. Ein kurzer Artikel im Höchster Kreisblatt vom 28. März 2008 – mit einem sehr großen Bild - berichtet dazu: “Vor einem Jahr stand es schon einmal auf dem Parkplatz am Untertor, das Torii. Damals wurde auf dem „Neumann‘schen Gelände“ erstmals das Kirschblütenfest gefeiert … Jetzt wird zwar nicht gefeiert … Aber das Torii ist wieder da. ‘Vogelsitz‘ lautet die wörtliche Übersetzung des Begriffes, weiß die städtische Pressestelle zu berichten, und dass es sich um ein traditionelles Symbol japanischer Kultur handelt. Das Torii werde meist aus Holz oder Stein gebaut, rot lackiert und sei eines der auffälligsten Zeichen shintoistischer Bauwerke.“ … So viel sei aus dem Artikel des Höchster Kreisblatts zitiert, aus dem leider nicht ersichtlich wird, warum das Torii „schon einmal auf dem Parkplatz stand“ und warum es jetzt „wieder da ist“.
Inzwischen hat Manfred Becht auf zwei Zeitungsartikel hingewiesen, die zumindest vermuten lassen, wie es zu der zweifachen Aufstellung kam. In der Frankfurter Neuen Presse vom 17.04.2007 wird auf die Absicht hingewiesen, zum Symbol der Kirschblüte ein Tor am Untertor zu errichten. Unter der Überschrift „Japanisches Fest am Untertor“ heißt es: „Ein rund drei Meter hohes rotes Tor – traditioneller Bestandteil shintoistischer Bauten – soll am Untertor errichtet werden. Es symbolisiert in der japanischen Tradition die Kirschblüte wie generell den Frühlingsanfang. Er wird im Land der aufgehenden Sonne jedes Jahr überschwänglich gefeiert. Etwas davon soll auch in Hofheim erlebbar werden.“ Abgesehen davon, dass im Artikel die Symbolik des Torbogens nicht ganz richtig dargestellt wird, ist der gewollte Bezug zu Japan doch eindeutig.
Nur wenige Tage später, am 28.04.2007, berichtet die Frankfurter Neue Presse unter der Überschrift „Japan grüßt am Untertor“ das Folgende: „Als Blickfang ist zwischen den Kirschbäumen ein circa 3 Meter hohes Tor, das japanische Torii, aufgebaut, das die Stadt künftig jedes Jahr für die Zeit der Kirschblüte aufstellen will.“
Aus diesem Satz aus dem Jahr 2007 wird deutlich, dass die damalige Aufstellung nicht als Dauer gedacht war, sondern nur für die Zeit der Kirschblüte. Und aus dem obigen Artikel aus dem Höchster Kreisblatt wissen wir ja, dass im Jahr 2007 ein Kirschblütenfest gefeiert wurde, übrigens aus Anlass des 30-jährigen Bestehens des Hofheimer Judoclubs.
Aus Kreisen des Judoclubs Hofheim haben wir inzwischen erfahren, dass das erste Torii im Jahr 2007 vom Judoclub Hofheim bei der deutsch-japanischen Gesellschaft in Frankfurt ausgeliehen worden ist. Erst im folgenden Jahr hat die Stadt Hofheim ein eigenes Torii bauen und aufstellen lassen.
Ein Kirschblütenfest wurde dann 2008 nicht gefeiert, wohl aber wurde wieder ein Torbogen aufgestellt. Und der blieb dann auch stehen – auch ohne Kirschblütenfest. Möglicherweise war das Datum der Kirschblüte zu unsicher, sodass sich hier keine Tradition entwickelt hat. Das Torii hat aber die Jahre überdauert und ist auch in den Zeiten außerhalb der Kirschblüte ein Anziehungspunkt für Hofheimer und Gäste.
Quellen:
Frankfurter Neue Presse vom 08.12.2018
Höchster Kreisblatt vom 28. 03 2008
Frankfurter Neue Presse vom 17.04.2007
Frankfurter Neue Presse vom 28.04.2007
https://de.wikipedia.org/wiki/Torii
Bearbeitung: Historischer Arbeitskreis Hofheim am Taunus (Reiner Scholz)
%20Heiko%20Schmitt.jpg/picture-200?_=19fdd0ad9b9)

%20Heiko%20Schmitt.jpg/picture-200?_=19fdd0ad715)