Historische Bauwerke in Hofheim am Taunus (A22)
Stein'sche Apotheke
Wilhelmstraße 2
1887 in der Hauptstraße gegründet, seit 1899 am heutigen Standort
Vorgeschichte
Eine Apotheke ist in Hofheim seit dem Jahr 1856 nachweisbar, als Nikolaus Kaiser aus Höchst am Main als Besitzer einer Apotheke in der Hauptstraße 22 (vormals der Standort der Gaststätte „Grüner Baum“) genannt wird. Damals standen unterhalb der Kirche St. Peter und Paul noch drei Häuser in der Hauptstraße – in dem untersten war die Apotheke untergebracht. Seine Nachfolger waren 1868 der Apotheker Johann Markus Scherer und ab 1882 Heinrich Anton Victor Bernhard Schnütgen.
Apotheker Stein
Im Jahr 1887 – genauer am 1. Dezember 1887 – hat Anton Schnütgen dann seine Apotheke an den Apotheker Gustav Adolf Stein aus Bonn (zusammen mit einer weiteren Apotheke in Flörsheim) zu einem Gesamtpreis von 135.000 Reichsmark verkauft. Über den Grund des Verkaufs enthält der Kaufvertrag keine Angaben.
Gustav Adolf Stein (1857-1944) wurde in Duisburg geboren, lebte als Apotheker, bevor er nach Hofheim zog, in Bonn, er war dreimal verheiratet und zwar zunächst mit Friederike geb. Schmitz (1867-1890), dann mit Bertha Ewaldine vom Hove (1867-1930) und schließlich mit Friderike Luise Sophie Auguste Anna geb. Brune (1863-1935).
Stein hat die Apotheke in der mittleren Hauptstraße nur etwa ein Jahrzehnt betrieben.
Bereits Ende der 80er Jahre hatte er begonnen, am Ende der Hauptstraße jenseits der Brücke über den Schwarzbach einzelne Gartengrundstücke zu erwerben, wie aus dem Stockbuch für Hofheim (Band 20, Seite 42) hervorgeht. Im Laufe der nächsten Jahre wurden noch weitere benachbarte Grundstücke in der Gemarkung „In der Witz“ erworben.
Am 23. März 1898 haben Gustav Adolf Stein und seine Ehefrau Ewaldine geb. vom Hove von dem Landwirt Nikolaus Messer II. zum Preis von 1.500 Mark das Grundstück gekauft, auf dem anschließend das Apotheken-gebäude mit Wohnhaus errichtet wurde.
Der im Kaufvertrag genannte Stockbucheintrag konnte bisher nicht lokalisiert werden.
Noch im Jahr 1898 konnte das Richtfest des Gebäudes gefeiert werden. Wie aus dem nebenstehenden Foto ersichtlich, ist der Neubau kein Fachwerkbau. Die heute noch bestehende Fachwerkfassade ist dem eigentlichen Bau vorgesetzt, so wie es kurze Zeit später auch am alten Rathaus geschehen ist.
Was die Apotheke im Jahre 1904 so alles angeboten und verkauft hat, kann man der nebenstehenden Anzeige aus dem Hofheim-Führer dieses Jahres entnehmen.
Das Gebäude hatte im Laufe der Zeit verschiedene Anschriften: Zuerst „verlängerte Hauptstraße“, ohne Hausnummer, dann „Marxheimer Weg 2“, später „Marxheimer Straße 2“ und erst seit den frühen 1940er Jahren, die heute noch gültige Adresse „Wilhelmstraße 2“.
Apotheker Pfaffendorf
Gustav Adolf Stein hatte einen Sohn, der nur sechs Wochen alt wurde, und vier Töchter aus den ersten beiden Ehen. Von diesen ist Ottilie Ewaldine Betty Stein für die Apotheke von Bedeutung. Sie heiratete 1915 den Chemiker Dr. Wilhelm Karl Pfaffendorf (1884-1978). Dieser übernahm noch vor dem Zweiten Weltkrieg den Besitz der Apotheke von seinem Schwiegervater. Die Apotheke selbst wurde bis 1952 von Verwaltern geführt, deren letzter war ein Herr Ritter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Name „Steinsche Apotheke“ eingeführt, später dann „Stein’sche Apotheke“. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde sie einfach nur „Apotheke“ genannt. Die Namensergänzung war wohl der Tatsache geschuldet, dass es in Hofheim erstmals mit der „Burg-Apotheke“ eine zweite Apotheke gab und man sich mit der Neubenennung abgrenzen wollte.
Bei dem Bombenangriff am 15. Januar 1945 auf den benachbarten „Rheingauer Hof“ wurde das Dach angehoben und beschädigt. Im Juli 1955 wurde in der Apotheke ein Umbau und die Vergrößerung der Offizin vorgenommen.
Wie aus den beiden Werbeanzeigen ersichtlich, wurde die heute bekannte Schreibweise „Stein’sche Apotheke“ mit Apostroph erst in den Jahren zwischen 1952 und 1958 eingeführt.
1952 übernahm mit dem Sohn Dr. Gert Pfaffendorf (1921-2020) die nächste Generation die Leitung der Apotheke. Heute wird die Apotheke von dessen Sohn, Prof. Dr. Martin Pfaffendorf (Professor der Pharmakologie und Toxikologie, Fachpharmakologe DGPT, Apotheker für Arzneimittelinformation), geleitet.
Die Apotheke wird also derzeit in vierter Generation seit fast 140 Jahren als Familienbetrieb geführt.
Im Familiengrab der Familien Stein und Pfaffendorf auf dem Hofheimer Waldfriedhof sind mehrere Generationen beigesetzt. Hier spiegelt sich auch die Geschichte der ältesten Hofheimer Apotheke wider.
Demnächst werden wir auf unserer Website „Historisches Hofheim“ in unserer Rubrik „Hofheimer Personen“ den Apotheker Gustav Adolf Stein aufnehmen, so dass dessen Biografie dort nachlesbar sein wird.
Quellen:
- Historische Unterlagen der Stein'schen Apotheke und des Apothekers Adolf Stein
- Genealogische Unterlagen: GeneaNet, Unterlagen von Thomas Pfaffendorf und Wilfried Wohmann
- Stockbücher Hofheim am Taunus
- Festschrift zur 600-Jahrfeier der Stadt Hofheim, 1952
- Hofheimer Adressbuch, 1958
Wir danken Herrn Prof. Dr. Martin Pfaffendorf für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages.
Bearbeitung: Historischer Arbeitskreis Hofheim am Taunus (Reiner Scholz, Wilfried Wohmann)